seil1l.gif

zwidelft.gif

seil2l.gif Kap. 10 - ABURG2 zwidelft.gif

M/S "Altenburg", Typ XD (de luxe) - Y5KH - Teil 2

16.03.1981 - 25.09.1981

Kapt. Harnisch, Kapt. Beyer, Kapt. Uhlemann, Kapt. Artur Fick

Nach so langer Zeit kam das Telegramm nicht ueberraschend, und man hatte ja schon ein bisschen darauf gewartet. Sonntag, den 15. März 1981 gegen 23.00 Uhr war ich auf dem Hauptbahnhof Halle/Saale, und es trafen sich die ersten Ex-Urlauber. Wir, die Ex-Urlauber, und noch ein paar Fernreisegäste saßen ruhig in unserer Ecke, wir waren die best angezogenen Gäste der halleschen Mitropa an diesem Abend und warteten auf unseren Zug. An diesem Abend machte auch die Tra-Po (Transport-Polizei) ihren Kontrollgang. Wir dachten, dass die etwas lauten und etwas verwahrlosten Gäste in die Schranken des Anstandes verwiesen wuerden. Nein, wir wurden kontrolliert, mussten unsere Fernfahrkarten zeigen und Fragen nach dem Woher und Wohin beantworten. Unsere "OMI" erlaubte sich die Frage, wieso wir und nicht die Trunkenbolde kontrolliert wuerden. Eine Antwort erhielt sie nicht, dafuer aber einen sehr finsteren Beamtenblick, der uns jede weitere Frage im Halse stecken blieben ließ. Wir sind wie immer gegen 5.30 Uhr gut in Rostock angekommen. Wohin nun, an Bord war es zu frueh, also entweder Hotel am Bahnhof oder Glatter Aal?!? Wir sind ins Hotel am Bahnhof gegangen, haben schön gepflegt gefruehstueckt (man wusste ja nicht, welcher Koch an Bord war), anschließend zum Taxistand und ab zum UeSH. Man kam puenktlich und gestärkt an Bord, man meldete sich an und erledigte seine Wege. Anmustern, Seetauglichkeitsuntersuchung, Impfen, Arbeitssachen und Effekten holen und am Basar vorbei, wenn man noch etwas Geld hatte. Somit begann also der Seemannsalltag wieder.

Am 22. März 1981 gegen 22.00 Uhr liefen wir aus in Richtung Szczecin. Am anderen Tag gegen 11.00 Uhr waren wir in der Werft fest. In Polen wurden wir mit Argusaugen beobachtet, einmal von den Polen und einmal von unserem extra mitgereisten Politoffizier. Denn in Polen hatte sich die Solidarnosz gebildet und ausgerechnet zu Ostern war noch der Nachtclub, das "Kaskada" abgebrannt. In der Werft war alles, wie es eben in einer Werft ist. Bis kurz vor Auslaufen herrschte das Chaos. Wir verstanden uns aber gut mit den polnischen Werftarbeitern. In der Werft war Selbstverpflegung, was uns viele Genex –Scheine einbrachte. Einige Kollegen schlossen sich zu Kochgemeinschaften zusammen, da das Essen in Polen sehr teuer war. Ich war in der Kochgemeinschaft von Mumse (sehr guter Schiffskoch - Bittorf) und P. Beutel (Eisbär) und so herrschte bei uns nie Mangel. Die Kollegen, die uebers Wochenende nach Hause fuhren, brachten immer reichlich zum Essen mit an Bord, was wieder fuer kleine Tauschgeschäfte reichte. So wurde manche Salami oder ein Stueck frisches Fleisch in ein Paar Sicherheitsgurte oder Heißluefter umgemuenzt. Was man damals in Polen reichlich und preiswert essen konnte, waren Ruehreier mit Champignons.

Jede Werftzeit geht einmal zu Ende, bei uns war das am 27. Mai 1981 der Fall. Am 28. Mai liefen wir in Rostock ein. In Rostock wurden die Genex-Scheine in Konsumgueter umgetauscht. Einige kauften Autoanhänger oder Kuehltruhen. Ich kaufte fuer unsere neue Wohnung, die wir in Rostock bekommen sollten, eine Anbauwand. Schnell noch einmal fuer zehn Tage nach Hause, bevor die nächste Reise begann.

Am 15. Juni 1981 verließen wir wieder Rostock. Nun ging es mal nicht durchs Mittelmeer und den Suezkanal, sondern ueber den "großen Teich" nach Cuba/Mexiko. Unser erster Hafen in Mexiko war Veracruz, danach folgte noch Tempico, von da aus versegelten wir nach Cuba. Der erste Hafen war Nuevitas, danach ging es nach Mantanzas. Es war schön, nach fast zehn Jahren wieder einmal nach Cuba zu kommen. Es hatte sich nicht verändert, nur die Fassaden waren um zehn Jahre gealtert. Am 3. September 1981 begann die Rueckreise und am 19. September gegen 13.00 Uhr (Sonnabend) liefen wir in Rostock ein. Am 25. September 1981 hatte ich meinen letzten Tagestörn auf M/S "Altenburg". 

Es gibt ja noch viel mehr ueber die Fahrenszeit auf M/S "Altenburg" zu berichten, die Taufe, die schönen Grillabende, die privaten Kammerpartys und, und, und. Ich werde immer wieder zwischendurch an Euch, die Ihr Euch mit mir gequält habt, appellieren, mich bei meiner Schreiberei zu unterstuetzen. Vielleicht gibt es ja auch Episoden von mir, die ich schon längst vergessen habe, also lasst mich bitte nicht hängen. 

Heute nach 23 Jahren kann ich immer noch sagen, dass das die schönsten Jahre meiner Seefahrenszeit waren.

Gerhard

   

Unsere DSR-Seefahrt - Kap. 10 - ABURG2: 21.08.2015

   

dsrsf-funnel.jpg