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Zweiter Versuch: M/S "Rudolf Breitscheid",
Typ XA - DEVG - "Das Schiff der großen Illusionen"

01.11.1976 - 22.08.1977

Kapitän Freimut Oehm

Endlich kam das heiß ersehnte Telegramm: Ich wurde wieder gebraucht. Also schnell Sachen gepackt und tschüß Mellingen. 

Zuerst ging es nach Rostock, und nachdem alles geklärt war ("Rudi Breitscheid" war in der Werft), erst einmal im Haus Sonne nach dem Rechten sehen. Wie immer traf man jemanden, man erzählte und trank ein klein wenig, und so war der Zug nach Wismar weg. Schnell für 7,50 Mark eine Übernachtung im "Seemannshotel" gebucht und die Gespräche an der alten Back weitergeführt. Am anderen Tag fuhren wir dann total übermüdet mit dem Reedereibus Typ Robur nach Wismar, wo wir schon erwartet wurden. 

Auf dem Schiff sah es schlimm aus. Na ja, eben wie in der Werft. Die Hauptmaschine lag auf den Flurplatten verstreut. Das Ladegeschirr und die Takelage lagen an Deck oder waren schon in irgendwelchen Hallen. Ich hatte mich schnell wieder eingelebt. Ein paar Bekannte von der ersten Reise waren ja noch da. Es war aber nicht mehr so wie früher, und die Werftzeit hatte sowieso ihre eigenen Gesetze. Zum Glück gab es in der Nähe der Werft ein Sportlerheim (Gaststätte). Dort holten wir immer unser Feierabendbierchen, wenn wir zu müde für den Landgang waren. Wir nutzten aber auch die kulturellen Angebote der Stadt Wismar und gingen oft in die Milchbar und anschließend noch in den Seemannsclub. Ja, Wismar hatte schon schöne Kultur- äh, Gaststätten, die ich hier gar nicht mehr alle aufzählen kann, aber die Wismarfahrer wissen ja, wovon ich schreibe.

Weihnachten und Silvester 1976/77 verbrachte ich auf der Matthias-Thesen-Werft in Wismar. Es war schweinekalt und wir mussten unser Schiff einigermaßen eisfrei halten. Ab 11. Januar 1977 gewährte man mir zehn freie Tage. Aber auf dem kalten Schiff hatte ich mich erkältet und so hängte ich noch ein paar Tage SVK-Urlaub dran. Am 1. Februar 1977 war "Gerhard Bienenfleiß" wieder an Deck. 

Die Werft wollte einfach kein Ende nehmen. Aber endlich - Anfang März begann das Beladen, und am 8. März konnten wir auslaufen. Auf Rostock-Reede mussten wir noch auf Besatzungsmitglieder warten. Wir waren bereits ausklariert, und somit sammelten sich zu unserer Freude endlich wieder die ersten Westflocken an. Aber dann ging es los, wie immer, um in Westeuropa zu laden. Danach begann die Reise erst richtig, denn es kamen keine Inspektoren und andere Kontrolleure mehr, und wir konnten die Seefahrt wieder genießen. Zügig ging es durch den Suezkanal, weiter nach Basrah (Irak). Was wir dorthin gebracht haben, weiß ich nicht, denn die Luken waren verschweißt. Zwölf Tage später begann unsere Indien-Rundfahrt. Die Reise verging wie im Fluge, nach 123 Tagen waren wir wieder zu Hause, das heißt in Wismar. Es folgte wieder eine lange und teure Hafenliegezeit (Milchbar/Interclub). Die einzige Abwechslung im Hafen war das fast tägliche Verholen des Schiffes. Am 22. August 1977 musterte ich dann ab. 

Ich war später noch einmal auf "Rudi" zu Besuch an Bord (war schon als "Eisenschwein" umgebaut). Das einzige, was noch an unsere glorreiche Zeit erinnerte, war die alte Tapete in meiner Kammer.

Gerhard

   

 

Unsere DSR-Seefahrt - Kap. 08 - BREITSCHEID2: 21.08.2015

   

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