M/S "Radeberg",  - Y5CY -

31.10.1986 - 14.01.1987

Kapt. Ullrich Hoeft

Am 30. Oktober 1986 trafen wir uns alle wieder puenktlich zum Einsatz, diesmal auf M/S „Radeberg”. Gleich am ersten Tag gab es reichlich zu tun. Wir mussten unser Containerlaschzeug zu M/S „Neuhausen” bringen.

Am 1. Nov. 1986 verliessen wir gegen 11.00 Uhr Rostock in Richtung Kiel, wo wir gegen 18.00 Uhr vor Anker gingen. 19.00 Uhr endlich hiess es Anker auf, wir begannen unsere NOK-Passage. 03.30 Uhr am 02.11. war die Kanal-Passage zu Ende und gegen 06.45 Uhr gaben wir den Lotsen an Elbe I ab. Wir fuhren aber nicht England, sondern es ging nach Jugoslawien. In Rijeka, in der Victor-Lenac-Werft sollte M/S „Radeberg” zum „Containerjaeger” ungebaut werden.

Also, am 03.11. Strasse von Dover, am 04.11. Biskaya, am 06.11. Gibraltar, am 07.11. Mittelmeer, am 08.11. Algier querab, am 09.11. Sizilien, am 10.11. immer noch Mittelmeer, am 11.11. Adria, und am 12.11. um 09.30 Uhr liefen wir in der Werft ein. Eigentlich muesste ich ja eine Ehrennadel oder aehnliches von der Victor-Lenac-Werft bekommen, denn ich war ja nun schon oefters hier.

Am 14.11.1986 begann unsere Werftliegezeit. Geplant war bis kurz vor Weihnachten, wir wollten alle Heiligabend zu Hause sein, unser Abloeseplan kam sowieso schon durcheinander. Es kam aber alles ganz anders, wir waren und blieben in der Werft. Der November verging, der Dezember, das Weihnachtsfest, Silvester und das neue Jahr begann. In der Werft zogen sich die Arbeiten dahin, es ging sehr langsam vorwaerts, sogar kleine Arbeiten dauerten eine Ewigkeit.

Unsere Getraenke waren schon lange zu Ende, wir waren auf Selbstverpflegung umgestiegen. Alkoholfreie Getraenke gab es in Dosen (Cola, Sprite usw.) sowie etwas Bier, von der Reederei in West bezahlt, und wir bezahlten mit unserer DDR-Mark. Es war fast wie im Schlaraffenland, Coca-Cola fuer 0,35 Mark der DDR. Dafuer kam auf die Wachmatrosen eine ganz besondere Arbeit auf sie zu: Sie mussten mit einem Hammer die Dosen in kleine Paeckchen zusammen schlagen. Besonderes Geschick hat dabei unser Svennie B.

Dann kam die Nachricht, dass wir abgeloest werden sollten. Am 14.01.1987 war es soweit, Reisetaschen, Koffer und Geschenke waren gepackt. Wir mussten fuer die Abloesung Platz machen und unser Schiffchen verlassen. Mit dem Bus fuhren wir von Rijeka nach Zagreb und blieben bis zum Abflug noch eine Nacht im Hotel „Continental”, etwa ein ******-Hotel. Mit dem Flugzeug ging es dann nach Hause, zunaechst nach Berlin-Schoenefeld. Dort verabschiedeten wir uns voneinander, jeder fuhr zu seiner Familie. Wir wussten ja, dass wir uns in gut drei Wochen wiedersehen wuerden. Ich freute mich auch, wieder bei meiner Familie zu sein, und wir nutzten die schoene, freie Zeit.

Gerhard

   


www.DSR-Seefahrt.de 14.12.2007 Nach oben ^