| Das naechste Schiff war M/S
"Frieden". Ich fuhr nur eine Reise mit, vom 11. November 1974
bis 18. Juli 1975. Diese Reise gehoerte nicht zu meinen Traumreisen, aber
der Vollstaendigkeit halber muss ich die Reise erwaehnen. Schliesslich
fiel mein Aequatortaufe-Datum auf den 1. Januar 1975.
Die Reise ging nach Fernost (Vietnam-China-Indonesien) und wieder nach
Hause.
Die Besatzung war fuer mich neu, genau wie das Ladegeschirr und das
ganze Schiff im Allgemeinen. Hier noch ein paar Mitreisende: Kapitaen
Kolless, I.NO. Spieleder, II.NO. Meitzner, Schiffsarzt Dr. Goyck,
"OMI" Frau Meitzner. Aus der Wirtschaft: Renate (von der
"V1" bekannt), Kerstin (von der "Buechner" bekannt),
dann noch eine Renate. Die Leute von Deck: Bootsmann Klaus Doering, Nenni
Lorenz, Otto, Paschke usw. Maschine: Eisbaer Fladerer, Professor
(Masch.-Assi) usw.
Dieses Mal habe ich mich richtig auf Rostock gefreut, ausserdem sollte
ein langer Urlaub folgen. Ganz schnell nach Hause, nach Thueringen.
Gerhard
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Also, Gerhard, es war vielleicht nicht unsere Traumreise, aber Spaesse
hatten wir neben der Arbeit dennoch! Denke mal nur an solche
"besonderen Vorkommnisse" wie zum Beispiel
Maenner-Modenschau zu Silvester, Kabelgeists Faschingskostuem "Artur,
der Engel" mit echten Moewenfluegeln, Maennerballett zu Fasching,
"Hauskaempfe" in den achteren Aufbauten, "Tropentest"
und "russischer Abend", und nicht zuletzt das
Hubwagen-"Scating" uebers Hauptdeck ...
Und ich war auf dieser Reise dabei! Sie war fuer mich meine beste
DSR-Fahrt, obwohl sie fuer mich so einige schlechte Tage parat hatte. Das
lag wohl mit an meinem sehr jugendlichen Alter damals. Aber mit den
seitdem vergangenen Jahren Abstand und angesichts meiner doch recht kurzen
Fahrtzeit (1973 - 1977) bin ich mit mir einer Meinung: DAS war trotzdem
ein einzigartiges Erlebnis!!!
Welche Erfahrungen fallen mir spontan dazu ein?
Zuerst diese:
- Fahrtziel Fernost; fuenf Monate geplant - sieben Monate unterwegs;
drei grosse Weltozeane mit einem im Vergleich dazu wirklich kleinen
"Schwimmblech" (Berndt Gueckel) befahren; die langen
Schraubenstrudel im Wasser und "gelb-grauen Tunnel" in der
Luft, die wir achteraus hinterliessen; See und Himmel - oftmals
faszinierende Anblicke, tags wie auch nachts; die fernen Gestade; und
eigentlich kein Schlechtwetter erlebt.
Dann diese:
- Noch in Rostock, Bootsmanns "Smoketime gestrichen!"
infolge unseres genuesslichen Futterns von im Laderaum gefundenen
Orangen - waehrend der Arbeitszeit gut sichtbar am Lukenrand im
Zwischendeck sitzend ...;
- die so umfangreiche und sperrige Decksladung fuer Vietnam, dass uns
ueber die Decksladung hinweg Laufstege aus Holz zwischen den beiden
Aufbauten gebaut wurden;
- der Blick aus dem Hauptmast hinunter auf das "kleine Schiffchen
im grossen, weiten Meer" zu meinen Fuessen;
- Weihnachten 1974 in warmer Luft und kurzen Hosen, erst- und
letztmals nicht im Kreise der Familie;
- die backbord querab liegenden Inseln Réunion und Mauritius
bestaunt;
- Silvester 1974, Maenner-Modenschau, beim Solo-Hoppeln durch die
M-Messe zu den Klaengen von "Rock Your Baby" von George
McCray verlor ich "meinen Busen" - die Apfelsinen machten
sich selbstaendig! - was aber starken Beifall im Publikum fand, obwohl
es eigentlich unbeabsichtigt war;
- auch meine Aequatortaufe als einer von 19 (!) Taeuflingen (Die
Taufveranstaltung fand erst im Indik am 01.01. 1975 bei der
Ueberquerung von Sued nach Nord statt, weil wir den Nullbreitenkreis
im Atlantik eines nachts gegen ein Uhr ueberfuhren, und bei der Anzahl
von Taeuflingen sowieso einen ganzen Feiertag hergeben mussten);
- die Fischerboote in der Malakka-Strasse, eines lag erst ruhig
steuerbord voraus, nahm dann ploetzlich Fahrt auf und schnitt unseren
Kurs gefaehrlich nah vorm Bug;
- Einkauf und "Tschinschen" in Singapur, welches wir auf der
Heimreise sogar nochmals anliefen;
- Haiphong-Flussreede, die beim Schwoien des Schiffes von der
Ankerkette ploetzlich untem A... weggezogene Stellage;
- ein schoener Abend im Seemannsclub Haiphong bei original
vietnamesisch-geroesteten Erdnuessen und Stolitschnaja in Ananas-Saft
(!);
- "kleine Menschenbeine" auf dem Mittagsteller, als eines
Tages von 8-12-Wache kommend die Mittagstoepfe bereits leer waren
(Froschschenkel - sehr koestlich!);
- ENOs Belehrung und abschliessende Worte "Das ist kein Bulleye,
sondern ein SCHIFFSFENSTER." in der Veranda, nachdem einer von
uns mit der wohl "unpassenden" Bezeichnung wegen
Frischluftzufuhr um das Oeffnen eines solchen bat;
- die Losung "MAO - THE GREATEST LEADER OF THE WORLD" an
einer Kaimauer in Dalien;
- das erste Mal "Chinesich" im Interclub Shanghai - sogar
mit Staebchen! (Mixed Rice mit Champis so kugelrund, dass die
Staebchen eigentlich nutzlos waren), Reisschnaps gekauft, der selten
angeruehrt wurde, und chinesischen Whisky, der schneller
"vernichtet" war;
- auf Reede von Whampoa zwischen Macao und Hongkong - der
Personenschiffsverkehr;
- die griesgraemigen Nordchinesen, die netten Suedchinesen und die
fast schon lieben Vietnamesen;
- der eine Dampfer im Hafen von Belawan, Indonesien, der mich sehr an
den Film "Krakatoa" erinnerte;
- das Treffen mit M/S "Leipzig" an der Nordspitze von
Sumatra;
- die 45 Tage Konservierungsarbeiten am Stueck auf der Heimreise ums
Kap und Paules "Mirr wirrd so warrm auf derr Birrne!" (im
Oberlausitzer Dialekt) dabei;
- die bei der Rueckkehr in Rostock schon wieder rostenden Ladewinden,
an denen wir nach Auslaufen sieben Monate zuvor mit den
Konservierungsarbeiten begannen; ...
Aber auch diese hier:
- Des Bootsmanns Aufstand, unsere seemaennisch-praktische Ausbildung nicht
mehr fortzufuehren;
- das Schreiben meiner Facharbeiter-Abschlussarbeit in der
Mannschaftsmesse bei Coca Cola, 7Up und Sprite aus einer Puetz
voll mit Eisstuecken;
- die gut absolvierten Pruefungen und meine erste Berufsbezeichnung
"Vollmatrose der Handelsschiffahrt,
Spezialisierungsrichtung Decksbetriebstechnik".
Bestaetigen kann ich allerdings, dass auch ich mich auf den
anschliessenden Heimaturlaub sehr freute.
Andreas /
12.12.2007, 18.10.2009, 18.10.2010, 8.8.2011
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